Was ist ein Lektorat?

Oft herrscht Unsicherheit darüber, was unter einem Lektorat zu verstehen ist. Das ist nicht nur bei Auftraggebern und Autoren der Fall, sondern es fällt auch vielen Kollegen schwer, ihre Leistungen eindeutig abzugrenzen.

Lektorat vs. Korrektorat

Bei einem Korrektorat steht die Textkorrektur im Fokus. Das bedeutet: Der Text wird auf Formalia wie Rechtschreibung, Zeichensetzung und grammatikalische Richtigkeit hin überprüft. Ziel eines Korrektorats ist ein formal (möglichst) fehlerfreier und einheitlicher Text. 

Im Vorfeld wird die Grundlage des Korrektorats festgelegt. Idealerweise verwendet der Korrektor ein für den Kunden leicht nachvollziehbares Regelwerk, wie beispielsweise den Duden. Wenn Hausregeln oder ein Corporate Wording“ vorliegen, sind diese kundenspezifischen Wünsche und Vorgaben jedoch klar zu priorisieren. 

Das Lektorat

Ein Lektorat ist komplexer als ein Korrektorat. Es behandelt nicht nur die formale Ebene, sondern betrachtet auch die inhaltliche, strukturelle und sprachliche Ebene eines Textes. Viele Punkte überschneiden sich, doch lässt sich eine grobe Einteilung definieren:

  1. Inhalt und Struktur
    Ein Text lebt in erster Linie von seinem Inhalt. Deshalb ist das auch die erste Ebene, die ein Lektor ins Auge fasst. Die genauen Zuständigkeiten zwischen Autor und Lektor sind im Einzelfall zu klären, doch ist es durchaus auch Aufgabe des Lektors, die Plausibilität und sachliche Richtigkeit eines Textes zu überprüfen. Wirft das Kleid wirklich diese Art Falten? Ist die Wortwahl hier korrekt? Wird das chinesische Dorf tatsächlich so geschrieben? 
    Neben dem Inhalt beschäftigt sich der Lektor auch sehr intensiv mit der Struktur des Textes. Das kann bei wissenschaftlichen Texten die Hierarchisierung sein, die Argumentationslinie, der berühmt berüchtigte „rote Faden“. Das gilt es jedoch auch in der Belletristik zu beachten. Hier kommen dann noch Punkte wie Figurenzeichnung, Dramaturgie und Spannungsbögen, Szenenwechsel, etc. hinzu.

  2. Sprache
    Neben der Struktur ist die sprachliche Ebene entscheidend für Lesefluss und Verständlichkeit. Hierbei werden unter anderem der Satzbau (Syntax), die Verwendung der korrekten Zeitformen und die richtige Wortwahl berücksichtigt. Denn nicht immer ist das, was im Kopf des Autors „gut klingt“ auch für den Leser klar verständlich und eindeutig. Über die Verwendung von Adjektiven, Nebensätzen, direkter und indirekter Rede kann auf der sprachlichen Ebene auch viel Inhalt transportiert werden. Es gibt auch Überschneidungen mit Inhalt und Struktur, denn Punkte wie beispielsweise die Plausibilität, sind ebenso auf der sprachlichen Ebene zu hinterfragen. Wichtig ist, dass der Lektor dem Autor sachlich erklären und begründen kann, an welchen Stellen es auf der sprachlichen Ebene evtl. noch ein wenig hapert und gemeinsam am Lesefluss gearbeitet wird.
  3. Formalia
    Die dritte Ebene des Lektorats befasst sich mit den Formalia. Das ist quasi derselbe Schritt wie ein Korrektorat. Dabei konzentriert sich der Lektor auf eine einheitliche, korrekte Rechtschreibung und Zeichensetzung. Aber auch formale Anforderungen wie Stylesheets, Corporate Wording oder weitere Besonderheiten finden Berücksichtigung. Je nachdem wie intensiv ein Lektor auf inhaltlich-struktureller und sprachlicher Ebene an einem Manuskript gearbeitet hat, empfiehlt es sich, ein abschließendes Korrektorat an Dritte weiterzugeben. Denn vor Betriebsblindheit sind auch Lektoren nicht gefeit.

Ein Lektorat ist ein sehr intensiver und komplexer Prozess, der mehrere Durchläufe erfordert. Wenn Sie daher planen, einen Text ins Lektorat zu geben: Geben Sie dem Lektor Zeit! Denn bei aller Konzentration ist auch seine Aufnahmefähigkeit begrenzt und er wird nie alle Stolperfallen und Fehler in einem Rutsch erkennen können. Je mehr Luft ihm bleibt, auch wieder Abstand vom Text gewinnen zu können, umso besser wird das Endprodukt.