Der Autor und sein Lektor – ein Drama in drei Akten?

In den vergangenen Wochen war ich zwei Mal zu Gast: einmal beim Regionaltreffen des DBVC in Köln und am vergangenen Wochenende als Sponsorin auf dem ersten Literaturcamp in Bonn. 
Beide Male habe ich in etwas das Gleiche erzählt. Für alle, die es interessiert, hier die ausformulierte Version in Form eines Essays. 

Der Autor und sein Lektor – ein Drama in drei Akten? 

Bücher schreiben ist etwas sehr Emotionales – und sie im Anschluss dann zu veröffentlichen ebenso. Deshalb ist es wichtig, dass sich Autor und Lektor im Vorfeld genau einigen, wie eine Zusammenarbeit aussehen kann. Der Lektor ist nicht der Freund des Autors – aber auch nicht sein Feind. In erster Linie ist er das erste, unabhängige und kritische Publikum, das sich mit dem Manuskript auseinandersetzt. Bei einem vollständigen Lektorat umfasst diese kritische Betrachtung verschiedenen Ebenen:

a) den Inhalt (Aufbau, Argumentation, Plausibilität, Aktualität, Stringenz etc.)

b) die Sprache (Stil, Idiomatik, Glaubwürdigkeit bei gesprochener Sprache etc.)

c) die Form (Rechtschreibung, Zeichensetzung, Tempus, Grammatik, Zitate, Bibliografie etc.)

Was braucht mein Manuskript?

Nicht immer muss es gleich ein ganzes Lektorat sein – oft hilft es dem Autor bereits, wenn ein umfassendes Gutachten mit konkreten Handlungsvorschlägen durch den Lektor erstellt wird. Was am sinnvollsten für Text und Autor ist, kann Ihnen ein Lektor auf Basis einer Leseprobe im Umfang von ca. 15-20 Seiten empfehlen.

Egal, für was Sie sich am Ende entscheiden: Der Erfolg eines Lektorats oder auch eines Gutachtens liegt ganz beim Autor. Der Lektor macht die Vorschläge, diskutiert diese auch gerne etwas länger, aber inwieweit Sie am Ende den Empfehlungen folgen möchten, liegt ganz bei Ihnen.

Wenn das Manuskript geschrieben ist, sollte der erste Schritt auf jeden Fall sein, einen passenden Lektor dafür zu finden. Gemeinsam mit ihm oder ihr kann dann auch ermittelt werden, welchen Weg der Veröffentlichung Sie einschlagen möchten.

Das Buch muss in die Welt

Als Autor haben Sie grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Sie suchen einen Verlag oder Sie werden selbst Verleger.

Der Weg in einen klassischen, großen Verlag ist nicht einfach. Ein Verlag ist ein Unternehmen und denkt in erster Linie marktorientiert. Wenn die Programmleitung die Chance sieht, aus Ihrem Manuskript ein profitables Produkt zu gestalten, können Sie mit einem Vertrag rechnen. Ein kleiner Tipp: Ein bereits lektoriertes Manuskript hat deutlich höhere Chancen auf einen Programmplatz. Gerade auch, weil die Betreuung neuer Autoren heute nicht mehr so intensiv ist wie noch vor 20 Jahren. Der Verlag tritt häufig eher als Produzent und Vertrieb in Erscheinung. Vorsicht ist geboten, wenn der Verlag Sie dazu auffordert, sich an den Druckkosten zu beteiligen. Fragen Sie immer genau nach, was der Verlag für Sie und das Buch im Hinblick auf Marketing- und PR-Maßnahmen zu tun gedenkt.

Die andere Möglichkeit, die Sie als Autor haben, ist der Selbstverlag. Der Vorteil ist: Jeder kann veröffentlichen. Der Nachteil ist: Viel zu viele Menschen tun es, ohne genau zu wissen, was sie da eigentlich tun. Wer sich für den Selbstverlag entscheidet, muss sich vor Augen führen, dass er damit automatisch mehrere Jobs übernimmt: Der Autor ist nicht mehr nur Autor, sondern gleichzeitig Hersteller, Grafiker, Marketingspezialist und PR-Manager. Es gibt gute Gründe, warum große Verlage, diese Bereiche strikt trennen. Dennoch ist der Selbstverlag sehr zu empfehlen – vorausgesetzt, man hat keine Scheu sich auch mit Themen, die über das Schreiben hinausgehen zu befassen. Viele Lektoren begleiten ihre Autoren auch bei diesen Schritten. Wenn Sie sich also auf die Suche nach einem Lektor machen, informieren Sie sich nicht nur über seine Erfahrung und Qualifikation im Bereich Text, sondern auch, inwieweit er Sie bei weiteren Schritten unterstützen kann.

Sie haben Fragen zu einzelnen Punkten? Dann schreiben Sie mir doch einfach über das Kontaktformular oder direkt an info@text-lektorat-koeln.com